Name: Franz Claaßen

Geburtsdatum: 15.02.1935

Geburtsort: 02835 Issum

Religion: römisch-katholisch

Wohnort zur Anfangszeit des zweiten Weltkriegs:

Auf einem Bauernhof an der Landstraße zwischen den Orten Sevelen und Issum gelegen: Damals zur Gemeinde Sevelen gehörend.

Wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit?

Ich erinnere mich an eine-persönlich sehr friedliche und ruhige Kindheit verbunden mit dem natürlichen Leben auf dem Bauernhof

Wie war das Leben in Ihrer Familie?

Zu unserer Familie gehörten Vater und Mutter und vier Kinder, 2 Mädchen und 2 Jungen. Auch das Personal, das zur Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Betriebes erforderlich war, lebte mit in der Familie. Bei den täglichen Mahlzeiten saßen regelmäßig10 bis 12 Personen am Tisch.

Wie war der Unterricht während der NS-Zeit?

Seit 1941 besuchte ich die Volksschule in Issum. In den ersten vier Grundschuljahren fand ein recht normaler Unterricht statt. Ab der fünften Klasse kam man zu den sogenannten Pimpfen. Das bedeutete, dass man neben dem normalen Schulunterricht in Gruppen mit einer speziellen Uniform ganz im Sinne des Krieges und der Partei zu einem tapferen und wehrfähigen Jungvolk erzogen wurde. Ich habe wegen des nahenden Kriegsendes diese Ausbildung nicht mehr mitgemacht. Anfang 1945 fiel der Unterricht wegen der unmittelbaren Nähe der amerikanischen Front bei deren Vormarsch in Richtung Wesel aus. Der Rheinübergang bei Wesel wurde von der Deutschen Wehrmacht als sogenannter Brückenkopf ausgebaut und verteidigt.

Welche Rolle spielte Politik im Alltag Ihrer Familie?

Soweit ich mich erinnern kann, spielte die Politik eine untergeordnete Rolle im Alltag unserer Familie.

Mussten sie ihre Heimat verlassen?

Nein !

Wie haben sie den Krieg wahrgenommen? (Nahrungsmittelknappheit, Luftangriffe)

Im Frühjahr 1943 begann die totale Zerstörung des Ruhrgebietes und seiner Städte durch nächtliche Flugzeugangriffe. Die Flugzeug-Geschwader bis zu 100 Bomber überflogen auf dem Weg von Großbritannien zum Ruhrgebiet auch unser Heimatland. Wir wurden mehrmals in der Woche durch die Alarmsirenen aus dem Schlaf gerissen und mussten in den Keller oder Bunker flüchten. Im Ruhrgebiet wurden bedeutende Industriebetriebe und Städte angegriffen und in Schutt und Asche gelegt. Auf Grund dieser intensiven Angriffe .entstand eine Nahrungsmittelknappheit, die viele Menschen als Hamsterer und Diebe in der Nacht. aufs Land trieben. Sie brachen in Ställe ein und schlachteten Tiere. Unsere Eltern versorgten Mutters Bruder und Familie mit Lebensmitteln aus Garten und Landwirtschaft.

Wie haben Sie die Judenverfolgung wahrgenommen?

Ich habe die Judenverfolgung, soweit ich mich erinnere, in meinen jungen Jahren nicht wahrgenommen.

Hatten sie Kontakt zu Soldaten oder waren Familienmitglieder im Krieg?

Zu Beginn des Krieges 1939 bei dem Vormarsch der Deutschen auf die Beneluxländer waren Soldaten bei uns einquartiert. Ebenfalls am Ende des Krieges 1945 waren dieses Mal allerdings feindliche, amerikanische Soldaten einquartiert. Sie hatten auf unserem Hof und in unmittelbarer Nähe eine Flakstellung aufgebaut und beschossen von hier aus die Stadt Wesel und den Rheinübergang Übergabe reif. Zur Verteidigung des Vaterlandes wurden aus unserer Familie mehrere Brüder unserer Eltern und auch von unseren Vettern eingezogen

Gibt es besonders prägende Ereignisse:

Wir Kinder hatten zu den amerikanischen Soldaten ein besonders freundschaftliches Verhältnis, weil sie uns bei jeder Gelegenheit Mit Schokolade und anderen Süßigkeiten verwöhnten. Dinge, die wir bis dahin kaum kannten. Ein sehr trauriges Erlebnis gab es noch in den Kriegstagen. Mutters Bruder, Onkel Paul, fiel in der Schlacht um Wesel.

Wie haben Sie das Ende des Krieges erlebt?

Mit zunächst viel Not und Elend, zerstörte Häuser, Dörfer und Städte. Für viele Familien ein Anfang bei Null.

Was möchten Sie jungen Menschen über diese Zeit mitgeben?

Lernt aus der Geschichte! Krieg und Feindschaft lohnt sich nicht! Bemüht Euch immer friedlich miteinander umzugehen und jeden anderen als Mitmenschen oder gar Bruder zu achten.